Tagesgeld – was es leistet und was nicht

Sieht der geneigte Leser sich die Werbung im Fernsehen öfters einmal etwas genauer an, so wird er feststellen, dass die Angebote hinsichtlich der Geldanlage im Tagesgeld eine erfreuliche Vielfalt erreicht haben. Verschiedene Banken bieten Tagesgeldkonten an, deren Verzinsung deutlich über dem unangenehmen Niveau auf dem Girokonto der Hausbank liegt. Oftmals sind mehr als fünf Prozent möglich. Darüber hinaus ist die Kontoführung bei einem Tagesgeldkonto meist kostenlos und oft gibt es sogar bei Eröffnung noch eine weitere Zugabe, wie zum Beispiel einen Tankgutschein oder ein kostenloses Zeitschriftenabo. Manch einer mag sich schon die Frage gestellt haben, ob angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten die sichere und flexiblere Anlage in täglich verfügbares und gut verzinstes Geld nicht das beste ist, was der Anleger tun kann. Dies ist aber nur auf den ersten Blick so. Bei genauerem Hinsehen lohnt sich die Anlage in Tagesgeld, sofern sie ausschließlich ist, langfristig nicht. Nimmt man einen Zinssatz von Viereinhalb Prozent als Berechnungsgrundlage, so kommt man schnell dahinter, dass mit Tagesgeld nicht wirklich Geld zu verdienen ist. Lässt ein Anleger Zehntausend Euro zu Viereinhalb Prozent auf einem Tagesgeldkonto verzinsen, erhält er nach einem Jahr 450 Euro. Abzüglich der Abgeltungssteuer, die fünfundzwanzig Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer beträgt, verbleiben dem Sparer noch rund 320 Euro, also eine Rendite von 3,2 Prozent. Angesichts einer Teuerungsrate, die bei rund 2,1 Prozent liegt, bleibt eine reale Nachsteuerrendite von 1,2 Prozent.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass die ausschließliche Anlage in Tagesgeldkonten nicht zielführend ist. Die Margen für den Anleger sind zu gering, als dass ein nachhaltiger Vermögensaufbau möglich wäre. Dennoch ist nichts dagegen zu sagen, dass eine gewisse Liquiditätsreserve auf einem Tagesgeldkonto geparkt wird. Es ist wichtig finanziell flexibel zu bleiben, ohne die eigenen Reserven auf dem Girokonto zu weniger als einem Prozent Zinsen zu parken. Natürlich gibt es heute bereits Girokonten einiger Direktbanken, welche durchaus einen attraktiven Zinssatz für das dort befindliche Guthaben bieten oder aber direkt an ein Tagesgeldkonto bei der gleichen Bank gekoppelt sind. In einem solchen Fall ist ein zusätzliches Tagesgeldkonto in der Regel nicht nötig.

22. Januar 2008 | Von | Kategorie: Geld